Bunnies, Barbies und Fußballspieler_innen – Geschlechterinszenierung als gesellschaftlicher Rückschritt?

11Jun11

Das aktuelle Tagesgeschehen macht es nicht immer leicht Themen möglichst objektiv zu beleuchten. Mit völligem Unverständnis nahm ich gestern die Fotos der schönsten Nationalspielerinnen Deutschlands im aktuellen Playboy sowie den expert Frauenfußball-WM 2011 Werbespot wahr. Mein erster Reflex: diese Form der (Selbst)Darstellung steht im Widerspruch zur Anerkennung des Frauenfußballs sowie einer damit verbundenen Gleichberechtigung auf unterschiedlichen Ebenen.

Aber warum ist die objektive Betrachtung unterschiedlicher Ebenen so wichtig? An Fußball kommt niemand vorbei. Die Berichterstattungen dominieren gerade in Zeiten von Europa- und Weltmeisterschaften. Selbst wenn mensch sich nicht dafür interessiert, wird nicht zuletzt das ‚Nationalbewusstsein‘ angesprochen und der ‚Kampf um den Titel für Deutschland‘ begleitet. In Stadien, vor Großbildleinwänden, Fernsehgeräten oder durch andere Medien werden Massen von Menschen bewegt; Menschen die umgekehrt aber ebenso auch erreicht werden können.

Der Fußballsport bietet in all dem Raum für die Inszenierung des Geschlechts. Als „typische Männersportart“ verstanden, setzt diese „richtiges Mannsein“ voraus. Homosexualität hat darin nichts zu suchen. Der schwule Fußballspieler bleibt tabuisiert und nach wie vor unsichtbar. Dass das „Frausein“ ebenfalls nichts im Fußball zu suchen hat, wird durch das Bild bestätigt mit welchem sich weibliche Fußballspielerinnen konfrontiert sehen – „das Mannweib“ und damit abgesprochener „Weiblichkeit“ verbunden mit der Vorannahme, dass alle Spielerinnen lesbisch seien. Nun wäre es doch irgendwie angebracht diese Zusammenhänge sichtbar zu hinterfragen und das im Sport dominierende dualistische Geschlechterrollenbild aufzubrechen.

Es stellt sich also die Frage wie mensch Diskriminierungsmechanismen gerecht werden kann und so zu einer gesellschaftlichen Veränderung beiträgt. Ich spreche jedenfalls dem Sport nicht das Potenzial ab zur Veränderung von Geschlechterbildern und -verhältnissen beitragen zu können. Was aber passiert im Rahmen der Frauenfußball-WM bisher? Der Spielzeughersteller Mattel stellt Fußball-Barbies her, die Nationalspielerinnen werben für Kosmetika, Bilderstrecken lassen sich unter dem Titel „So gefällt uns Frauenfußball!“ im Playboy finden und die ZEIT ONLINE klärt in dem Beitrag „Was Sie schon immer über Frauenfußball wissen wollten“, ob alle Fußballspielerinnen homosexuell sind. Mal von anderen Berichterstattungen ganz zu schweigen. Ist das ein angemessener Weg um Geschlechterbildern entgegenzutreten und Vielfalt im Fußball zu fördern?

Es ist mir gleichgültig, ob die Fotos im Playboy im Zusammenhang mit einer Werbestrategie stehen oder auf eine selbstbestimmte Entscheidung der Abgebildeten zurückzuführen sind. Jedenfalls reihen sie sich in ein Weiblichkeitsbild ein, das von lebensferner Anatomie, Herausstellung von Brüsten und Zwangsheterosexualität gekennzeichnet ist. Mit Blick auf viele und vielfältige Lebensentwürfe junger Menschen liegt es nicht fern dies als ein Beispiel für geschlechterpolitischen Rückschritt anzuführen.

Jemand sagte mal zu mir, das sei mit einem Pendel vergleichbar. Mensch hält es auf einer Seite fest und wenn es losgelassen wird, schlägt es erst einmal steil zur anderen Seite aus bis es sich dann irgendwann mittig einfindet. Tja, das ist schön für das Pendel bzw. die übersteigerte feminine Visualität von Spielerinnen – bei diesem Thema habe ich allerdings gerade keine Ausdauer auf den Zeitpunkt des Mittelmaßes zu warten. Der scheint mir nämlich in den Hintergrund gerückt. Es regt auf. Zu sehen und zu lesen wie mit Vielfalt im Fußball der Imagepflege wegen umgegangen wird. Mir wäre dann eine Fußballwelt frei von Geschlechterrollenbildern und Diskriminierung, die Homophobie, Rassismus und Sexismus auch schon in der Berichterstattung und anderen Darstellungsformen benennt und eine klare Absage erteilt doch um einiges lieber.

Denn letztendlich sollte es doch nun wirklich egal sein, wer das verdammte Tor macht!

Im Übrigen – wirklich nicht schlecht >> Lira Bajramaj im Nike Werbespot
Publikationshinweis: Degele, Nina/Janz, Caroline: Hetero, weiß, männlich? Fußball ist viel mehr! Eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zu Homophobie, Rassismus und Sexismus im Fußball, 2011 – Insbesondere die acht Perspektiven für politische und strukturelle Maßnahmen ab S. 48.

Advertisements


One Response to “Bunnies, Barbies und Fußballspieler_innen – Geschlechterinszenierung als gesellschaftlicher Rückschritt?”

  1. 1 nell

    bisher dachte ich noch, die können spielen – aber sie scheinen sich ja nicht darauf zu verlassen… bedenklich und eine schwache Kür


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: