Was ist eigentlich Liebe?

25Apr11

Angeregt durch den Text „Let’s talk about love!“ von Antje Schrupp komme ich mal wieder nicht aus dem Nachdenken raus. Was ist es denn nun eigentlich, was so viele Denker_innen über Jahrtausende hinweg beschäftigt und noch immer nicht hat greifbar werden lassen? Trotz der unterschiedlichen (wissenschaftlichen) Perspektiven und Blicke auf die Liebe findet diese keine Allgemeingültigkeit. Glücklicherweise wie ich finde, denn was Liebe eigentlich ist kann erst einmal nur jede_r einzelne für sich beschreiben und sollte gänzlich unerforscht bleiben.

Interessant wird es dann, wenn hinterfragt wird welche gesellschaftlichen Strukturen und sonstigen Vorgaben den individuellen Beschreibungen zugrunde liegen.

Denn hat Mensch die Liebe gefunden, mündet sie häufig in eine Ehe oder eingetragene Lebenspartnerschaft. Mit der Freiheit sich für einen Menschen lebenslang entscheiden zu können setzt mensch jedoch einen rechtlichen Rahmen und bindet sich. Diese Freiheit aufgegeben stellt sich nun die Frage wie die Liebe in der Institution überlebt und dem Kampf gegen die Flüchtigkeit und Substanzlosigkeit entgegengetreten wird. Selbst die geführte Beziehung in der Lebensabschnittsgefährtschaft wirft diese Fragen auf, so dass der Schutzhafen nicht einmal Ehe oder eingetragenen Lebenspartnerschaft heißen muss, sondern als eine variable Ausformung des Treuemythos beschrieben werden kann.

Nur allzu häufig wird in einem von Sicherheitsdenken geprägten Leben in der gelebten Liebe übersehen, dass es für Küsse keine Verträge gibt und Träume keine Versprechen sind. Folglich muss Liebe etwas anderes sein. Etwas was sich außerhalb der Rahmenbedingungen, die durch eine Mehrheitsgesellschaft vorgegeben und durch Gesetze bestärkt werden, bewegt. Wohl aber müssen diese Rahmenbedingungen ständig neuen Entwicklungen und allgemeinen Auffassungen von Gesellschaft angepasst werden. Denn alles L(i)eben geht weiter.

Liebe ist darin vor allem eins: grenzenlos. In dieser Grenzenlosigkeit ist sie zwar individualistisch und eine persönliche Angelegenheit, jedoch ebenso (rechts)politische und gesellschaftliche Kategorie. Mit Blick auf das konkrete Beispiel neuer Familienformen aber auch insbesondere der Institution der Ehe als solche und ihrer Verankerung im Grundgesetz muss zumindest meiner Meinung nach die Liebe in einen öffentlichen Aushandlungsprozess eingebunden werden. Womit ich die Liebe – will mensch sie als Kategorie heranziehen – in einem zeitlichen auf Veränderung reagierenden Kontext sehe.

Interessant ist ebenso, dass während ich meine Gedanken dazu niederschreibe merke, dass ich wenn es um meine individuelle Empfindung von Liebe geht keine theoretische Annährung brauche. Dass ich merke wenn sie da ist und einschlägt. Ganz von allein und ohne jede Auseinandersetzung. Und das ich jetzt verstehe was Antje Schrupp mit ihrem Text eigentlich sagen wollte.

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