Neue Förmchen für den Berufseinstieg?

03Apr11

Da ist der Mensch mit dem perfekten Lebenslauf, der zielstrebig nach der Schule den Weg zu einer Spitzenuniversität sucht und das Studium innerhalb kürzester Zeit und mit sehr gutem Abschluss und dazu noch mit vielen (Auslands-)Praktika hinter sich bringt. Geschmückt mit guten Noten, politischem oder wahlweise ehrenamtlichem Engagement, möglichst vielen Fremdsprachenkenntnissen und Hobbies wie die regelmäßige Teilnahme an einem Marathon begibt sich die Nachwuchskraft nun auf Jobsuche. Vergeblich – wie es neuerdings immer wieder heißt.

Denn die Rede ist von einer Gegenbewegung. Unternehmen suchen heute etwas anderes. Gesucht werden Menschen mit Persönlichkeit, „vielfältige Charaktere statt Inselbegabung“, Kreativität und soziales Geschick. Genau das fehle nämlich hochbezahlten Arbeitstieren. Medial wird daraus auch kein Hehl gemacht (vgl. „Lebenslauf: Bewerber aus dem Mutantenstadl“ von Jochen Mai). So wird auch gerne mal erklärt was Karrieristen fehlt:

Der Keim der Innovation steckt eben oft im Unkonventionellen. Gute Ideen entstehen, weil jemand quer denkt, rumspinnt, fantasiert oder träumt. Dieses Verhalten ist dem Karrieristen fremd. Er hat gelernt, seine Ziele geradlinig zu verfolgen, mit dem Kopf durch die Wand. Oft sucht er dabei aber nicht das Wohl des Unternehmens, sondern sein eigenes.

Die Unternehmen brauchen jetzt echte Persönlichkeiten

Da mag sich jetzt wohl manch einer rebellisch auf die Schulter klopfen. Aber zu früh gefreut. Werden nicht lediglich neue Förmchen gegossen? Schließlich muss sich mensch auch mal die Frage stellen warum Unternehmen nun echte Persönlichkeiten (was auch immer das sein soll) brauchen. Langsam aber sicher scheint in der Arbeitswelt irgendwie dann doch angekommen zu sein, wohin stromlinienförmige Leistungserbringung so führen kann. Aus der Sicht des Unternehmes jedenfalls handelt der Karrierist nur zum eigenen Wohl. Das mache ihn illoyal, denn je höher ein Mitarbeiter aufsteigt, desto mehr sei er Visitenkarte des Unternehmens.

Da wären wir also wieder angekommen – in der Profitspirale. Das Unternehmen macht sich Gedanken über sich, die Außenwirkung und den Markt. Und fängt auf einmal an nach Menschen zu suchen, die quer denken, rumspinnen, fantasieren und träumen. Sie hoffen auf nicht nur vom Verstand geleitete, sondern Empathieträger, die gleichzeitig Vorbild sind, ‚Werte‘ leben, dabei verlässlich und stets offen für Neues bleiben. Aus diesen Wünschen wird dann eine sog. Gegenbewegung hergeleitet, die im Grunde nach nichts anderem schreit als nach neuen Vorgaben und Kochrezepten an denen mensch sich abarbeiten kann. Nur das es diesmal dann doch etwas schwieriger zu werden scheint, denn ‚Persönlichkeit‘ kann nirgends ‚gelernt‘ werden.

Aber auf was kommt es denn wirklich an?

Auf was es wirklich ankommt? Keine Ahnung. Kann die Frage in diesem Kontext überhaupt beantwortet werden solange sich der Einzelne nicht die Zeit genommen hat, sich selbst ein Stück weit kennenzulernen? Resultieren aus einer Auseinandersetzung mit sich aber vor allem mit der Welt nicht zwangsläufig Bereiche, die einen stark interessieren und die einen durch das Interesse geleitet befähigen mit einer Form von Hingabe eine (Arbeits)Aufgabe zu erledigen? Jedenfalls hatte ich irgendwo mal gelesen, dass – sinngemäß wiedergegeben – „Persönlichkeit“ auf einem Gebiet nur der hat, der rein der Sache dient. Kommt der Rest dann nicht von selbst? Und hat das dann mit Fragen der Lebenslaufgestaltung überhaupt noch etwas zu tun?

Ich jedenfalls bin noch immer nicht schlauer, aber gespannt darauf was nach dem „vielfältigen Charakter statt Inselbegabungs“-Lebenslauf als Nächstes kommt.

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