Geschlechterk(r)ampf

21Mai09
In dem Artikel ‚500 Frauen und ein Mann‚ von Mario Gotterbarm wurde mal wieder das Thema ‚Das Selbstbewusstsein der Frau‘ aufgegriffen. Anlass für diesen Artikel war die zehnte „Women in European Business“-Konferenz, die in Frankfurt mit dem Thema „Wertschätzung der Kulturen – Meistern der Verhaltensregeln“ stattfand. Die „Women in European Business“ – kurz WEB – sind ein 1999 gegründetes Frauennetzwerk der Deutschen Bank, in dem sich 50 weibliche Führungskräfte engagieren. Gotterbarm beschreibt in seinem Artikel den Ablauf des Kongresses und legt sein Augenmerk auf die Tatsache, dass trotz der breiter gefassten Diskussionsthemen immer wieder die Rede von den Unterschieden zwischen Männern und Frauen war. Lynn M. Martin, eine Teilnehmerin des Kongresses erwähnt folgendes Beispiel zum Thema Selbstbewusstsein von Frauen: „Ein Autohändler verkauft Mercedes und Honda und meint, er habe deshalb Erfahrung in Auslandspolitik. Eine Frau macht ihren Master in internationalen Beziehungen und meint: Ich bin noch nicht so weit.“

Nicht nur dieses Beispiel zeigt, dass es mehr als berechtigt ist dieses Thema aufzugreifen. Die Frage ist nur wie, denn parallel dazu stolpere ich in den letzten Wochen über ‚Karrieretipps für Frauen‘ – Marion Knaths. Als Video-Blog auf Zeit online erschienen, gibt uns Knath unter anderem Ratschläge, die zu mehr Selbstbewusstsein verhelfen sollen und Themen wie kommunikative Kompetenz in Besprechungen, den Weg ins Rangordnungsspiel und das Verhalten zu der Frage ‚Wer darf wen berühren?‚ aufgreifen. Sie arbeitet dabei mit Geschlechterperspektiven und einem Rangordnungs- bzw. Machtverständnis, was für mich persönlich haarsträubend ist. Selbstbewusstsein und die Frage nach den Unterschieden zwischen Männern und Frauen hin oder her, aber dieses (Menschen)Bild beschreibt eine durch zwei geschlechter dichotomisierte Welt, in der sich die beiden auf ihre ‚Typisch Mann – Typisch Frau-Eigenschaften‘ reduziert wettbewerbsorientiert entgegenstehen und bestätigt darüber hinaus eine geschlechterspezifische Diskriminierung.

Eine Diskriminierung, die doch eigentlich unter Zugrundelegung der Gender Mainstreaming Perspektive längst überwunden sein könnte, oder? Interessant fand ich ein von dem Wochenmagazin „Die Zeit“ veranlasstes Gespräch zwischen Angela Merkel und der Autoren Jana Hensel zu dem Thema Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Daraus folgender Ausschnitt:

Die Zeit: Frau Hensel, der Vorwurf an Ihre Generation lautet, dass die jungen Frauen in den harten Machtfragen – also zum Beispiel, wenn sie mit der Bundeskanzlerin zusammensitzen und eine Frauenquote für Bankvorstände fordern könnten – nicht mehr so bereit sind zu kämpfen wie die Alice Schwarzers dieser Welt.

Hensel: Es zeigt sich, dass wir die jungen Menschen nicht mehr über diesen traditionellen und, wie ich finde, abgelebten Politikbegriff erreichen. Also über Revolte, Engagement und Straßenkampf und solche, salopp formuliert, 68er-Sachen.
Das Problem ist, dass die meisten dieser jungen, gut ausgebildeten Frauen ihre Minderheitsposition gar nicht mehr wahrnehmen, gar nicht mehr sehen, wo sie benachteiligt sind. Allein diese Diagnose ist uns von älteren Frauenrechtlerinnen verübelt worden.

Merkel: Der Vorwurf heißt dann ja Wellness-Feminismus.

Hensel: Ein absurder Vorwurf! Im Gegenteil, wir müssen heute viel vorsichtiger, genauer sein: Wir leben in einer Zeit feministischen Mainstreams. Für junge Frauen ist es heute viel, viel schwieriger, zu erkennen: Wer sind die Feinde? Das war für die Generation einer Alice Schwarzer leichter. Da haben die Männer gesagt: Nee, mit euch nicht. Da musste man sich sozusagen an den Zaun stellen und rufen: Ich will da rein.

Merkel: Das allerdings ist von einem Mann überliefert.

Hensel: Mir begegnen Männer doch heute mit einer grundsätzlichen Offenheit, mit Toleranz. Wenn ich mich also frage, warum habe ich es nicht geschafft, mit ihnen gleichzuziehen, dann gerate ich als junge Frau in die Gefahr, nur individuelle Defizite verantwortlich zu machen, anstatt gesellschaftliche Ursachen zu benennen.

Interessant fand ich es deshalb, weil Hensels Augenmerk darauf gerichtet ist, deutlich werden zu lassen, dass sich der ‚Feind‘ hinter grundsätzlicher Offenheit versteckt und Frauen ihre Minderheitenposition gar nicht mehr wahrnehmen. Hier käme das Selbstbewusstsein wieder ins Spiel mit dem dann entgegengetreten werden soll. Dieses Selbstbewusstsein, was Frau dann wiederum erst erlernen muss und zwar mit Mitteln – siehe Knath – die sich ebenfalls des ‚Feindbildes‘ bedient und es damit noch verstärkt. Das leuchtet mir nicht ein. Nun bin ich immer noch nicht schlauer, was ‚Feindbilder‘ und das Selbstbewusstsein als eines der Differenzierungsmerkmale zwischen Männern und Frauen angeht. Wohl aber durch Lynn M. Martin um eine Erkenntnis reicher:

If you think, you are not able to do something – Just do it! And „if you ever wonder about yourself, the answer is yes!“.

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2 Responses to “Geschlechterk(r)ampf”

  1. I hate these blunt distinctions between men and women, but unfortunately it is often true. I have seen it many times at the work place that men tend to always tell their supervisers/bosses everything is going great and they can do anything, whereas many women seem to emphasize things that are not working or that they are insecure about. I even remember this TV program where women were told if you want to get ahead you have to emphasize your strong points and change how you present yourself. Even after this there were women who refused, saying they shouldn’t be made to act like the men, they were women after all. I like that quote…it’s so true.

  2. Sehr interessant, die Deutsche Bank hat weibliche Führungskräfte? In der Schweiz sind mir so gut wie keine untergekommen.Frau Hensel hat in einem gewissen, theoretischem Sinne Recht, aber ich behaupte mal, dass die jüngeren Frauen sich nicht nur des genauen Feindbildes nicht bewusst sind, nein sie sind sich überhaupt nicht bewusst, dass es immer noch Feinde gibt. Und manchmal lässt sich das einfach auch alle Altersklassen ausweiten ;)ah, ich sollte mal was schreiben wie rückständig einige der sogenannten modernen Herrschaften in Wirklichkeit doch sind. Oder besser nicht 😉


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